Guillermo del Toro, Underdog-Meister der Fantasie und Kuriositäten

Ganze 15 Jahre hat es gedauert, bis Guillermo del Toros Pinocchio fertig war. Der technische Aufwand der Stop-Motion-Animation, die damit verbundenen hohen Kosten und andere Projekte haben die Produktion immer wieder gebremst. Doch für sein Herzensprojekt hat sich Guillermo del Toros Ausdauer gelohnt: Die Kritiker*innen zeigen sich begeistert vom neuesten Streich des Regisseurs und Filmproduzenten. 

Ganz in Guillermo del Toro Manier ist Pinocchio mehr Dark Fantasy als leichte Kinderunterhaltung. Den Hang zum Fantastischen, Magischen und ebenso Gruseligen hatte del Toro schon im Kindesalter, als er als Achtjähriger begann, eigene Kurzfilme zu drehen – zum Beispiel über eine Killer-Kartoffel. Seine Fantasie ist schier grenzenlos, für jede seiner erdachten Figuren arbeitet er ganze Biografien aus. In seiner Welt sind Monster nicht nur fremdartige Wesen, sondern haben eine Seele, die es zu ergründen gilt. 

Bevor er aber mit dem professionellen Filmemachen begann, arbeitete del Toro jahrelang als Special-Effects-Make-up Designer. Seine fast schon manische Liebe für Details und wundersame Welten ist in jedem seiner Filme zu entdecken – ob in Hellboy, Pan’s Labyrinth oder wie jüngst in Pinocchio, in der liebevollen Unperfektheit der Puppen. 

Für seinen bisher größten Erfolg Shape of Water – Das Flüstern des Wassers, einem romantischen Fantasy-Film über die Liebe zwischen einer stummen Reinigungskraft und einem Amphibien-Mann, gewann Guillermo del Toro 2017 zwei Oscars: als bester Regisseur und für den besten Film. Viel wichtiger als Anerkennung seiner Leistung ist ihm aber die Unterstützung seiner Landsleute. Seit den 80er-Jahren unterstützt er mexikanische Animationsstudios. Für Pinocchio wollte er deshalb auch, dass Mexikaner*innen die Holzpuppe und die Grille animieren, um das künstlerische und technische Talent des Landes zu zeigen. Und seine Dankesrede bei den Oscars beendete er mit einer Aufforderung an junge Filmemacher*innen, ihren Träumen zu folgen: „Ich möchte allen sagen, die davon träumen, das Genre der Fantasie zu nutzen, um Geschichten über die Dinge zu erzählen, die in der heutigen Welt real sind: Ihr könnt es schaffen. Dies ist eine Tür. Tretet sie auf und kommt herein.“

Darum geht’s in Pinocchio

Weltberühmt ist die Geschichte von Carlo Collodis über die hölzerne Puppe, die ein richtiger Junge werden möchte und der beim Lügen eine lange Nase bekommt. Im neuen Stop-Motion-Film von Guillermo del Toro bekommt Pinocchio einen magisch-düsteren, aber nicht minder emotionalen Touch. Handlungsort ist das faschistische Italien der 1930er-Jahre. Der um seinen Sohn trauernde Holzschnitzer Geppetto erschafft eines Nachts betrunken eine Marionette, die von einem schaurig schönen Wunderwesen zum Leben erweckt wird und fortan auf eigensinnige Weise ihren Platz in der Welt sucht. Dabei muss Pinocchio lernen, dass Taten nicht folgenlos bleiben. Eine Geschichte über Vaterliebe, Moral und Menschlichkeit, die ganz ohne Kitsch auskommt.

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Das ist das wichtigste Guillermo-del-Toro-Zitat über Pinocchio

„Ich identifiziere mich mit Außenseitern, wie Frankensteins Monster oder Pinocchio, und wie sie in der Welt klarkommen müssen. Man will wissen, warum etwas richtig oder falsch ist, wenn es sich doch falsch oder richtig anfühlt.“ 

Das Zitat aus dem Netflix-Special Guillermo del Toros Pinocchio – Handcarved Cinema zeigt, wie gut der 58-Jährige es versteht, diejenigen in der Gesellschaft zu repräsentieren, die keine laute Stimme haben. Dabei sind ihm Konventionen und was andere denken völlig schnuppe. Irgendwie steckt in Guillermo del Toro eben immer noch ein großes Kind, dem es wichtiger ist, Dinge zu hinterfragen, statt sie als gegeben hinzunehmen.

Diese Filme und Serien von Guillermo del Toro sind auf Netflix zu sehen:

  • Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities: Acht Horror-Fantasy-Geschichten, zum Teil aus del Toros eigener Feder. Vor jeder Folge hält der Maestro einen kurzen Prolog, in der er das Thema und den oder die jeweilige*n Regisseur*in vorstellt.
  • Pacific Rim: SciFi-Actionfilm von Regisseur del Toro, in dem Charlie Hunnam und Idris Elba mithilfe von Superrobotern gegen Alien-Monster aus der Tiefsee kämpfen, um die Menschheit zu retten. 
  • Der gestiefelte Kater (2011): Animationsverfilmung des Kinderbuchklassikers. Zusammen mit seinen Freunden ist der gestiefelte Kater auf der Suche nach einem geheimnisvollen Schatz. Guillermo del Toro leiht in der englischen Fassung dem Kommandanten der Stadtwache seine Stimme.

Das wissen nur echte Fans:

Guillermo del Toros Detailverliebtheit geht so weit, dass er dafür sogar auf Gage verzichtet. Denn die Erschaffung seiner Kreaturen, getreu seiner Vorstellungen, steht für den Filmemacher weit über dem finanziellen Verdienst. Als er 2004 an Hell Boy arbeitete, gab er die Hälfte seines Honorars her, um die Kosten für bessere Spezialeffekte zu decken. Zwei Jahre später lehnte er aus demselben Grund eine Vergütung ab, um die Welt von Pans Labyrinth so echt wie möglich werden zu lassen.

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Netflixwoche Redaktion