Schönheit im Makel: Der Zauber der Stop-Motion-Technik

Der kleine Pinocchio hat es nicht leicht: Wenn er flunkert, wächst seine Nase, Gespräche führt er meistens mit einer kleinen Grille und außerdem ist er nun mal eine zum Leben erwachte Marionette. Von den Händen seines Vaters Gepetto aus Holz geschnitzt. Sein Gang durchs Leben verläuft eher stolpernd als geschmeidig. 

Eine neue Verfilmung des alten Stoffes in Stop-Motion, wie in Guillermo del Toros Pinocchio, scheint da beinahe auf der Hand zu liegen. Schließlich diktiert die Filmtechnik, dass die Figuren, die später in flüssigen Bewegungen über den Bildschirm wirbeln, weder gezeichnet noch digital animiert werden.

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Stattdessen handelt es sich um Puppen, in aufwendiger Handarbeit modelliert, geschnitzt und bemalt. Von ihnen werden einzelne, unbewegte Bilder in unterschiedlichen Stadien eines Bewegungsablaufes aufgenommen. Später, in der Aneinanderreihung, entsteht das Bewegtbild. Wie im Daumenkino.

Größenunterschiede

Nicht nur die Bewegungen sind eine Herausforderung in der Stop-Motion-Technik. Wenn eine winzige Grille auf Pinocchios Schulter sitzt und ihm etwas ins Ohr flüstert, dann müssen die Größenverhältnisse stimmen. Darum gibt es mehrere Puppen für die gleichen Figuren. Wie Guillermo del Toro im Feature zeigt, existiert Pinocchio in unterschiedlichen Ausführungen: Für Aufnahmen aus der Ferne in Daumengröße, für Nahaufnahmen im Riesenformat. 

Das Ergebnis all dieser Handarbeit fühlt sich haptisch an, hat Tiefe und Charakter. Auch, weil die entstehenden Szenen nicht makellos sind. „In den Anfängen der Stop-Motion-Technik gab es das Moiré, das Flimmern der Felle und Stoffe, sogar den atmosphärischen Staub auf den Kulissen: Die Unvollkommenheit war wunderschön anzusehen", sagt Guillermo del Toro in einem Behind-the-Scenes-Clip. „Weil man daran erkennen konnte, wie die Sache gemacht wurde." 

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Netflixwoche Redaktion