Zum Start von Ein Teil von ihr: Das Beste von Toni Collette auf Netflix

Dieses eine Gesicht im Film, es kommt einem so schrecklich bekannt vor. Das breite Lachen, die türkis-blauen Augen, die strenge Mimik. Man erinnert sich lebhaft an die Figuren, die sie dargestellt hat, aber wie war nochmal ihr Name? Die Chancen stehen gut, dass es sich um Toni Collette handelt. Die australische Schauspielerin hat sich im Laufe ihrer etwa 30-jährigen Karriere zur Erfolgsgarantin gemausert. Jüngstes Beispiel: der Karin Slaughter-Adaption Ein Teil von ihr.

Toni Collette ist… ja, wer ist sie eigentlich? Gute Frage, denn Collette ist vor allem dafür bekannt, sich persönlich in Bescheidenheit zu üben, während ihre Figuren in vollem Glanz erstrahlen. Um dem bescheidenen Menschen hinter den vielschichtigen Rollen näher zu kommen, werfen wir einen Blick auf Collettes Geschichte – und listen auf, welche Produktionen unbedingt auf die Watchlist sollten.

Aus den australischen Suburbs zu den Academy Awards

Toni Collette wuchs in einem kleinen Vorort von Sydney auf. Dass sie von dort aus die große Welt des Films erkunden würde, war eher unwahrscheinlich. Ihre Familie hat nichts mit dem Showbusiness zu tun. Ihr Vater war Trucker, ihre Mutter arbeitete im Customer Service. Trotzdem war Collette schon mit 14 klar, dass sie Schauspielerin werden wollte. Die Erkenntnis kam mit ihrer Rolle in dem Schulmusical Godspell. Danach wechselte sie auf eine Schauspielschule, und ihre Karriere entwickelte sich wie ein guter Wein: langsam, aber stetig Richtung Extraklasse. Ihr Aufstieg ist gesprenkelt mit Highlights wie der Dramedy Spotswood (1992) an der Seite von Anthony Hopkins und Russell Crowe oder der Comedy Muriel’s Wedding (1994), die ihr erster großer Erfolg werden sollte. Ihren internationalen Durchbruch feierte Collette mit der Rolle als Lynn im Thriller-Klassiker The Sixth Sense im Jahr 1999. Die Schauspielerin kassierte eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin und dem internationalen Publikum war schnell klar: Dieses Gesicht wird man ab jetzt häufiger sehen.

Widersprüche, Wut und unvergessliche Mimik

Seitdem hat Toni Collette die verschiedensten Filmgenres einmal durchgespielt. Allein in den letzten Jahren war sie am Horror-Hype Hereditary von Ari Aster beteiligt, war im brillant besetzten Whodunnit-Krimi Knives Out zu sehen und hat im verwirrend psychedelischen Kammerspiel I’m thinking of ending things von Kult-Regisseur Charlie Kaufmann mitgespielt. Collette ist also nicht die klassische Blockbuster-Darstellerin, sie nimmt gerne mal eine Abzweigung in Richtung Arthouse. Das Genre spielt für sie nur eine untergeordnete Rolle: „Ich liebe es, mit Widersprüchen zu arbeiten“, sagt die Schauspielerin in einem Interview über die Auswahl ihrer Figuren. Ihr Spezialgebiet sind Spannungsfelder, die sie häufig mit wenig Worten, aber mit umso mehr Mimik auf die Leinwand bringt.

Toni Collette gehört zu den Menschen, die anscheinend jeden Quadratmillimeter ihres Gesichts einzeln ansteuern und kontrollieren können. Das zeigt sie besonders in komplexen Frauenrollen, die man nicht so einfach in Schubladen stecken kann. Collette zieht Rollen an, die man erst Schicht für Schicht freilegen muss und deren Kern Zuschauende schließlich kalt erwischt. Besonders Mutterrollen stehen der Australierin. Damit sind keine braven, Care-Arbeit leistenden Mum-Tropes gemeint, die von Regisseur*innen im Writers’ Room erträumt wurden, sondern vollkommen unberechenbare Charaktere, die teilweise am Abgrund des Wahnsinns stehen. Ihr Gespür für einzigartige Figuren macht die Schauspielerin zu einer Art Gütesiegel: Wo Collette draufsteht, ist auch Collette drin. Wer an die Grenzen der weiblichen Psyche gehen will, ist mit diesen Netflix-Highlights mit Toni Collette gut versorgt:

Ein Teil von ihr (2022)

Andy (Bella Heathcote) und ihre Mutter Laura (Toni Collette) werden in einen Amoklauf verwickelt, der auf gespenstische Art die Wahrheit hinter der so angepassten, glücklichen Laura ans Licht bringt. Neben der packenden Performance von Collette ist die neue Thriller-Serie so spannend erzählt, dass sich der Plot in etwa so anfühlt: Tod, Trauer, Plot Twist, Verfolgung, Liebe, Plot Twist, Hass, Plot Twist, Liebe, Plot Twist, Verrat, Tod, Plot Twist, Ende. Bei schwachen Nerven also besser in kleinen Dosen streamen.

Play embedded YouTube video

Unbelievable (2019)

Manche Geschichten hätte das Leben besser nicht schreiben sollen. Eine davon ist die Story von Marie (Kaitlyn Dever), die von einem Einbrecher vergewaltigt wird. Als sie zur Polizei geht und sich ihrem engsten Umfeld anvertraut, steigt das Misstrauen. Niemand glaubt dem Opfer. Einige Zeit später stoßen in einem benachbarten Bundesstaat die Ermittlerinnen Karen (Merritt Wever) und Grace (Toni Collette) aufeinander. Sie beginnen, genau diesen Fall endlich zu lösen. Die Geschichte der Mini-Serie, die auf wahren Begebenheiten beruht, schmettert Zuschauenden die Lücken des Justizsystems entgegen. Lücken, die besonders für Frauen bedrohlich werden können. Toni Collette ist Teil eines fabelhaften Casts, dessen Leistung die Drastik der Geschichte erst in vollem Umfang greifbar macht.

Play embedded YouTube video

I’m Thinking of Ending Things (2019)

Kult-Regisseur Charlie Kaufmann gilt als Meister des Absurden. Mit diesem psychedelischen Kammerspiel übertrifft er sich selbst. Hier spielt Toni Collette eine Mutter, die mit Versagensangst kämpft und befürchtet, ihren Sohn an seine neue Freundin zu verlieren. Ein atmosphärisches Drama, das immer wieder an die Grenzen der Realität geht, inklusive einer psychotischen Toni Collette, die den Wahnsinn überzeugend verkörpert.

Play embedded YouTube video

Wanderlust (2018)

Der dröge Alltag hat die Ehe zwischen Joy (Toni Collette) und Alan (Steven Macintosh) ausgehöhlt, Sex ist mittlerweile ein Fremdwort. Deshalb beschließen die Therapeutin und ihr Ehemann in der britischen Comedy-Serie, ab sofort eine offene Beziehung zu führen. Ihre Familie, ihre Gefühle und ihre Beziehungen geraten dabei vollkommen durcheinander. Der von einem Theaterstück adaptierte Plot zieht Zuschauende mitten in das komplizierte Beziehungsleben voller Lust, Frust, Liebe und Ablehnung.

Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Netflixwoche Redaktion