Bruised und die Underdogs: 6 Kampfsportfilme für die Watchlist

45 Jahre nachdem Rocky Balboa die Stufen zum Museum of Modern Art in Philadelphia erklommen und nach „Adrian“ gerufen hat, erhält er endlich eine Antwort – von Halle Berry. Die Oscar-Preisträgerin nämlich hat mit Bruised ihr Regiedebüt durchgeboxt. Darin übernimmt sie auch gleich die Hauptrolle – und tritt als ausgebrannte Mixed Martial Arts-Kämpferin auf Comeback-Mission in eine lange filmhistorische Reihe von Underdogs mit unbedingtem Siegeswillen. Es geht um Kampfsport, und es geht um die großen Fragen des Lebens. Gut zwei Stunden reichen selbstredend nicht aus, um diese letztgültig zu klären.

Deswegen hier zum Weiterschauen und Weiterphilosophieren ein paar Filmklassiker – und ein Geheimtipp – mit Hidden Champions, die sich ebenfalls von ganz unten nach ganz oben gekämpft haben.

Karate Kid (1984)

Das Karate Kid machte in den frühen 1980er Jahren die fernöstliche Kampfkunst auch unter westlich sozialisierten Jugendlichen zum Trend. Statt Bruce Lee oder Jackie Chan kämpft sich hier ein kalifornischer Sonnyboy namens Daniel LaRusso durch – mit akkuratem Mittelscheitel und modischem Stirnband verkörpert vom damaligen Teenie-Star Ralph Macchio. Dabei gilt es zuerst mobbende Jugendliche und schließlich den eigenen inneren Schweinehund zu überwinden, um die Ausbildung bei Meister Miyagi und den unvermeidlichen großen Fight zu bestehen. 

Die Geschichte war so erfolgreich, dass die Kids nicht nur die Kinos, sondern auch die Dojos stürmten. Die Folgen: Karate Kid II (1986) und Karate Kid III (1989) sowie die Kultserie Cobra Kai, die seit 2018 den Konflikt zwischen Karate Kid und seinem Widersacher Cobra Kai in der Gegenwart weitererzählt.


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Kickboxer (1989)

Neben Bloodsport gehört Kickboxer zu den besten Filmen des drahtigen Belgiers Jean-Claude van Damme, nicht umsonst auch „The Muscles from Bruxelles“ genannt. Dabei erzählt er im Grunde dieselbe Geschichte wie zahlreiche andere Filme seiner Zeit. Kurt Sloane reist an der Seite seines Bruders, dem Kickboxer Eric (gespielt von Dennis Alexio, damals tatsächlich Weltmeister), nach Thailand. Dort hofft man auf große Kämpfe gegen echte Champions. Tatsächlich ist Erics Gegner dann hoffnungslos überlegen und macht es wie einst Ivan Drago mit Apollo Creed: Er schickt Eric querschnittsgelähmt in den Rollstuhl. Statt selbst zu kämpfen, muss Eric also seinen Bruder Kurt zum eisenharten Rächer umschulen. Der schafft sich unter Anleitung eines schrulligen Kampfsportlehrers auch noch Muay Thai drauf, um sein Gegenüber in einem legendär brutalen Finale zu erledigen. 

Kickboxer liefert alles, was man von einem Kampfsportklassiker der 1980er-Jahre erwarten darf. Und das ist – neben knochenharten Kämpfen, attraktiven Love Interests und einem Setting mit Fernweh-Faktor – auch ein nicht zu unterschätzender Trash-Appeal.  

Fighting (2009)

Dass Fighting einer neuen Generation entspringt, merkt man schon am Soundtrack: Statt „Eye of the Tiger“ knallt hier „Heart of the City“ von Jay-Z aus den Boxen. Die Handlung wiederum folgt dem Vorbild von The Fast & The Furious: Ein Kleinkrimineller verdient sich in illegalen Wettkämpfen Respekt. Sein Talent als Fighter hat der junge Shawn zuvor bereits in Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Schwarzhändlern gezeigt, weshalb er für den Ringkampf angeworben wird. So wird er vom Underdog zum Star der New Yorker Underground-Szene. 

Als Fighting 2009 erschien, ließ vor allem die Besetzung aufhorchen. Neben einem noch jungen Channing Tatum ist auch Terrence Howard zu sehen, der damals frisch für den Oscar nominiert war (Hustle & Flow). Regisseur Dito Montiel wiederum hatte sich mit Kids – In den Straßen New Yorks seine Vorschusslorbeeren verdient, einer Verfilmung seiner eigenen Romanvorlage mit u.a. Robert Downey Jr., Rosario Dawson und Shia LaBeouf. Kids ist autobiografisch, der Mann kennt sich also aus in New York und dem dortigen kleinkriminellen Milieu. Mit Fighting setzt er so nicht nur dem Kampfsport, sondern auch seiner Stadt ein eindrucksvolles Denkmal.

Southpaw (2015)

Southpaw geht den Weg von Rocky Balboa quasi rückwärts. Hier befindet sich nämlich der von Jake Gyllenhaal gespielte Boxer Billy Hope auf dem Zenit seines Könnens. Nach vier Weltmeistertiteln im Halbschwergewicht werfen ihn allerdings eine Zwangspause und der tragische Tod seiner Frau Maureen (Rachel McAdams) aus der Bahn. Vom Alkohol gezeichnet muss er sich nicht nur in den Ring zurückkämpfen, sondern auch ins Leben seiner entfremdeten Tochter. Dabei wird er unterstützt von Trainer Tick (Forest Whitaker) und seinem ehemaligen Manager Jordan (50 Cent).

Die Ansprüche an Kampfsportfilme haben sich über die Jahre gewandelt. Das zeigt dieses Drama, bei dem der Action-Spezialist Antoine Fuqua (The Guilty) ein Drehbuch von Sons of Anarchy-Schöpfer Kurt Sutter verfilmt hat. Die alte Geschichte vom abgestürzten Champ wird hier ergänzt durch den noch härteren Kampf um die eigene Familie. Für Jake Gyllenhaal war Southpaw damals die perfekte Gelegenheit, nicht nur als Charakterdarsteller zu glänzen, sondern auch echten Sportsgeist zu zeigen: So körperlich hat man ihn noch nie erlebt.

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Creed (2015)

Fast zeitgleich zu Southpaw erschien Creed. Damit schließt sich hier der Kreis zu Rocky Balboa und dessen erstem großen Widersacher Apollo Creed. Im Mittelpunkt dieser Kreuzung aus Spin-Off und Fortsetzung steht nämlich Creeds unehelicher Sohn Adonis Johnson (Michael B. Jordan). An seiner Seite: der sichtlich gealterte und schwer erkrankte Rocky Balboa (noch immer, natürlich: Sylvester Stallone). Der macht aus Adonis eine echte Kämpfernatur und hilft ihm, das Erbe seines Vaters anzutreten.

Der spätere Black Panther-Regisseur Ryan Coogler (Nächster Halt: Fruitvale Station) holte mit Creed nicht nur Rocky aus der Versenkung, sondern machte erstmals einen Schwarzen Boxer zum Helden einer Reihe, in der dunkle Hautfarbe sonst eher zum Antagonisten der Heldenfigur prädestinierte. Für den Oscar nominiert wurde trotzdem Stallone. Das war zwar eine verpasste Chance, aber auch eine überfällige Würdigung für Stallone und seine Lebensrolle als ewiger Kämpfer gegen die Widrigkeiten des Daseins. Als weitere Belohnung durfte er zur Fortsetzung Creed II abermals das Drehbuch beisteuern und im Film auf alte Bekannte treffen: den legendären Gegenspieler Ivan Drago (Dolph Lundgren) und dessen Gattin Ludmilla (Brigitte Nielsen). Ikonischer geht’s kaum.

First Match (2018)

Ringen! Hatten wir hier noch nicht als Sportart. Um so sehenswerter ist, wie Monique (Elvire Emanuelle) in First Match als gebeutelte Teenagerin um die Zuneigung ihres leiblichen Vaters (Yahya Abdul-Mateen II) kämpft – nämlich ausgerechnet im Jungs-Team der örtlichen Ringer. Das Drama von Olivia Newman gewann 2018 beim South by Southwest Festival den Publikumspreis und läuft exklusiv bei Netflix.

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Netflixwoche Redaktion
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Dig Deeper mit Sabine Rückert, True Story und die Empfehlungen der Woche

25.11.21
43m 58s

Mit dabei

Sabine Rückert
Sabine Rückert
stellvertretende Chefredakteurin DIE ZEIT

Foto:

Mark Waschke
Mark Waschke
Schauspieler

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