Wild Christmas – Neun mal alternative Weihnachten auf Netflix

Ein Teller Plätzchen auf dem Bauch, eine heiße Schokolade in der Hand, und schon taucht man ab in die heile Welt der Weihnachtsfilm-Klassiker: kilometerlange Schlittenfahrten und Lichterketten, Lovestorys und jede Menge „Last Christmas“. Was aber, wenn man schon beim Gedanken an diesen Besinnlichkeits-Overkill Bauchweh bekommt? Hier kommen ein paar Tipps für alternative Filme und Serien zu den Festtagen. Weihnachten wird also vielleicht nicht weiß, aber mit dieser Auswahl garantiert wild.

Brügge sehen ... und sterben? (2008)

Ray (Collin Farell) und Ken (Brendan Gleeson), zwei irische Auftragskiller, werden für einen Job ins vorweihnachtliche Brügge geschickt. Als sie tagelang auf Anweisungen von ihrem Boss (Ralph Fiennes) warten müssen, widmet sich Ken begeistert dem malerischen Städtchen. Der gelangweilte Ray provoziert währenddessen allerhand kuriosen Krawall und stolpert von einer surrealen Situation in die nächste. Was der geheimnisvolle Auftrag ist, den die beiden dort zwischen glitzernder Festbeleuchtung, geschmückten Bäumen und Glockengeläut erledigen sollen, ist dann noch für mehr als eine Überraschung gut. Zu dieser schwarzhumorigen, teils bitterbösen Tragikkomödie von Autor und Regisseur Martin McDonagh (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) tauscht man den Glühwein am Besten gegen ein herbes belgisches Bier. 

Single All The Way (2021)

Eine ganz normale Weihnachts-Romcom eigentlich – oder doch nicht? Single All The Way schnappt sich die Konventionen des ach so harmlosen Driving-Home-For-Christmas-Subgenres und rückt sie in ein völlig neues Licht. Dazu genügt ein einziger Kunstgriff: Im Zentrum steht diesmal eine schwule Romanze, oder das Scheitern einer solchen, oder vielleicht doch der beste Freund … Nun, man muss es erleben. Und das macht extrem viel Spaß: Weil Michael Urie und Philemon Chambers eine bemerkenswerte Chemie auf den Bildschirm bringen. Weil die grandiose Jennifer Coolidge eine angemessen exzentrische Tante Sandy gibt. Und weil die Broadway-Erfahrung von Autor Chad Hodge und Regisseur Michael Mayer hier genau den richtigen subtilen Charme einbringt.

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Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (1987)

Der Auftakt der legendären Actionfilm-Reihe schickt den erfahrenen Polizisten Murtaugh (Danny Glover) und seinen hitzköpfigen neuen Kollegen Riggs (Mel Gibson) auf einen wilden Trip durch die Welt des organisierten Verbrechens von Los Angeles. Irgendwo in Richtung Jahresende angesiedelt, kann von Besinnlichkeit keine Rede sein und so freuen wir uns über gepflegte Flucherei, reichlich Explosionen und eine wüste Schießerei auf dem Weihnachtsmarkt. Am Ende kommt es dann zum verdienten Weihnachtsessen im erweiterten Familienkreis. Bonuspunkt: Der Soundtrack von Eric Clapton und Nick Kamen ist eine willkommene Abwechslung zu „Jingle Bells“ und dergleichen.

Fargo, Staffel 3 (2017)

1996 lieferten die Coen-Brüder den bizarr-blutigen Thriller ab, auf den sich diese außergewöhnliche Serien-Adaption beruft. Auch Staffel 3 spielt im winterlichen Minnesota und einmal mehr geht es um vertrackte Familienverhältnisse, allen voran die verfeindeten Brüder Emmit und Ray Stussy (Ewan McGregor in einer famosen Doppelrolle). Zwischen dem Firmenboss und dem Bewährungshelfer mitsamt krimineller Verlobter schwelt ein Erbstreit. Ein Gangster mit zweifelhafter Zahnhygiene und eine ambitionierte Polizistin samt ermordetem Vater hängen auch mit drin. Es geht erneut vogelwild zu, und dass ein guter Teil der Folgen in weihnachtlichem Setting spielt, macht die absurden Tode, die hier gestorben werden, noch surrealer.

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Ghostbusters 2 (1989)

Ein toxischer Schleimfluss bahnt sich seinen unterirdischen Weg durch New York, und alles steuert auf eine übernatürliche Katastrophe am Jahresende zu. Während die Stadt noch nichtsahnend im Weihnachtsdelirium liegt, muss das unfreiwillig in den Ruhestand versetzte Ghostbusters-Quartett undercover in Aktion treten, um die Pläne des düsteren Fürsten Vigo zu durchkreuzen. Es gibt ein vergnügliches Wiedersehen mit Bill Murray und Dan Aykroyd in ihren ikonischen Overalls, einer diesmal nicht besessenen Sigourney Weaver und dem guten alten Quälgeist Slimer. Der würde sich doch eigentlich auch wunderbar als Kugel am Baum eines jedes Fans machen.

Shining (1980)

Und wieder alles andere als klassischer Weihnachtsstoff. Genau genommen ist in diesem von Stanley Kubrick verfilmten Stephen-King-Roman noch nicht mal ein Christbaum, ein Eierpunsch oder eine Blockflöte in Sicht. Dafür gibt es jede Menge Schnee, fürchterliche Strickpullover und einen horrend eskalierenden Lagerkoller, weil man gezwungenermaßen einige Tage mit der lieben Familie eingesperrt ist. Das haut schon hin, oder?

Happy! (2017)

Hier werden die gängigen Genre-Regeln weitgehend ausgehebelt. Ein versoffener Ex-Cop und Auftragskiller (Christopher Meloni), wird nach einer Nahtoderfahrung von einem fliegenden Zeichentrick-Einhorn verfolgt. Es nötigt ihn, ein vom Weihnachtsmann entführtes Mädchen aufzuspüren. Ja, das ist so abgefahren wie es klingt, was sowohl an der Comic-Vorlage liegt, als auch an den Macher*innen, die bereits bei Crank mitgemischt haben. 

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L.A. Confidential (1997)

Die furiose Verfilmung des James-Ellroy-Romans „Stadt der Teufel“ spielt im Los Angeles der 1950er Jahre. Ein Gangsterboss hinter Gittern, rivalisierende Nachfolger und ein Massaker im Nite Owl Café. Drei ungleiche Ermittler (Russell Crowe, Guy Pierce, Kevin Spacey) machen sich daran, die Morde aufzuklären, und stoßen schnell auf Ungereimtheiten, die sich zu schockierenden Erkenntnissen auswachsen. Bis heute streiten sich Filmfans um die beste unter so vielen großartigen Szenen. Heißer Anwärter: Eine aus dem Ruder gelaufene Weihnachtsfeier im Polizeirevier, die es unter der Headline „Bloody Christmas“ sogar auf die Titelseite der L.A. Times schafft. Im zweifach Oscar-prämierten Neo-Noir-Krimi glänzen neben den damals noch weitgehend unbekannten Australiern Crowe und Pierce auch Danny deVito als zwielichtiger Klatschblatt-Reporter und Kim Basinger als Veronica-Lake-Lookalike.

Norsemen (2016)

Norsemen ist eine Comedy-Serie über das Wirken und Wüten eines norwegischen Wikinger-Stamms um das Jahr 790. Als wäre es damals nicht schon hart genug zugegangen, werden hier sehr clever heutige Diskussionsthemen eingeflochten. Das ist zunächst schräg, entwickelt aber schnell ein irres komödiantisches Potential. Pärchenabend nach dem Raubzug? Das Waffenarsenal für eine Kunstausstellung einschmelzen? Erst ein paar Engländer abschlachten, danach intellektueller Plausch? Geht alles bei den Nordmännern und -frauen und wird hier irgendwo zwischen Monty-Python-Humor und Game of Thrones-Ästhetik zu einem herrlichen Unfug verflochten. Was das alles mit Weihnachten zu tun hat? Die Wikinger sind nicht ganz unschuldig an dem Fest, wie wir es heute in Europa feiern. Diverse Bräuche, vor allem das Thema mit dem geschmückten Baum (gern auch mal eine Nordmanntanne), haben wir ihnen zu verdanken. In diesem Sinne, God Jul!

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Netflixwoche Redaktion
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Carolin Kebekus, warum macht man ausgerechnet an Weihnachten Schluss?

11.12.21
48m 40s

Mit dabei

Carolin Kebekus
Carolin Kebekus
Komikerin, Stand-up-Comedienne

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