Bücher, Bugs und Dreiecke – Sieben verpasste Hinweise auf den großen Twist von 1899

Vor zwei Wochen stach die Kerberos mit der Premiere von 1899 in See. Seitdem versuchen Zuschauer*innen weltweit die Geheimnisse der Serie zu entschlüsseln. Nun wagt sich unsere Redaktion endlich ins Spoiler-Territorium.

Wer also die letzte Episode noch nicht geschaut hat, liest in der Zwischenzeit lieber erstmal unsere Interviews mit den Schauspieler*innen und den Showrunnern der Serie.

Elliot hütet in 1899 einige Geheimnisse - und warnt hier vor Spoilern.
Elliot hütet in 1899 einige Geheimnisse - und warnt hier vor Spoilern.

Immer noch hier? Na gut, es wurde gewarnt.

In den letzten Minuten des Staffelfinales schafft die Protagonistin Maura es, der Kerberos zu entkommen. Sie lernt, dass nichts ist, wie es schien: Sie befindet sich weder auf einem Schiff im Meer noch im Jahr 1899. Stattdessen wacht sie 200 Jahre später in einem Raumschiff auf. Das Auswandererschiff war eine Simulation – in der die anderen Passagiere noch stecken. Um Maura herum sind sie noch in Apparaturen gefangen, die an die Matrix erinnern.

Die ganze Serie steckte voll von Anzeichen auf diesen Twist. Hier sind sieben Hinweise, dass die Kerberos eine Simulation ist, die wir erst beim zweiten Durchschauen von 1899 entdeckt haben:

Kleider machen Leute

Wer sich Making 1899 schon angeschaut hat, findet schon im Kostümdesign den ersten Hinweis. Die Kostümbildnerin Bina Daigeler erklärt ein wichtiges Detail: Über die acht Tage in der Serie wechselt niemand die Klamotten. Alle haben ein ikonisches Outfit, in dem sie das geheimnisvolle Schiff erkunden – wie Figuren in einem Videospiel. Denn in einer Simulation braucht man kein zweites Kleid.

Spilling Tea

Schon nach zehn Minuten der Serie wird klar, dass auf der Kerberos nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Als Maura im großen Saal mit einer Passagierin spricht, hebt diese ihre Teetasse an – und der ganze Saal folgt ihrer Bewegung. Als alle, wie ferngesteuert, die Tasse gleichzeitig wieder absetzen, sieht man sogar einen Glitch in der Simulation: Der Arm von Ling Yi im Kimono zuckt vor und zurück (wer es genau sehen will, schaut bei Episode 1, Minute 10:50). Das bleibt nicht die einzige Störung im Programm. Die Glitches werden schon von Fans auf Reddit gesammelt. 

Bugs

Dieser Hinweis nimmt es wörtlich: Die Käfer öffnen in 1899 auf dem Schiff jede noch so geheime Tür. In der Computer-Programmierung bedeuten Käfer – oder besser Bugs – genau das. Sie sind Fehler im System, die geschickte Programierer*innen ausnutzen können, um an Orte zu gelangen, die unerreichbar sein sollten. Die Simulation interpretiert Bugs wohl sehr bildlich.

Error 404: Text nicht gefunden

Briefe, Bücher und Telegramme in der Serie füllen sich mit komischen Inhalten. Durch den Telegraphen kommen am Ende nur noch Dreiecke. Auf einem Brief von der Bootsfirma steht „Stream Ship Comapny“ in verdrehten und falschen Buchstaben. Und als Olek das Anleitungsbuch für die Schiffssteuerung aufschlägt findet er auf jeder Seite nur den Satz: „May your coffee kick in before reality does.“ Dieses Mantra begegnet auch Maura später wieder. Das kann doch einfach nicht echt sein.

Mauras Brief enthält eine mysteriöse Botschaft.
Mauras Brief enthält eine mysteriöse Botschaft.

Im Dreieck springen

Das allgegenwärtige Symbol des Dreiecks wirft immer noch Fragen auf. Es ist komisch genug, dass sich das Zeichen auf fast jeder Figur und in jedem Raum des Schiffes, ja sogar im Teppich, wiederfindet. Aber das Dreieck mit Strich hindurch hat eine ganz bestimmte Bedeutung: Es ist das alchemistische Zeichen für das Element Erde.

Aber was will uns das sagen? Dazu gibt es einige Theorien. Aber zumindest scheint es ein Hinweis, dass sich Maura doch nicht auf einem Boot im Wasser befindet. Und vielleicht auch nicht auf einem Raumschiff im Weltall…

Was ist in einem Namen?

Schon in Dark hat die Drehbuchautorin Jantje Friese mit bedeutungsschweren Namen gespielt. Auch in 1899 bedeuten Namen oft mehr, als es den Anschein hat. So ist Singleton, der gebürtige Nachname von Maura, ein bekanntes Prinzip für Computer-Programmierer. Viel ominöser sind aber die Namen der Schiffe: Kerberos und Prometheus. Beide kommen aus der griechischen Mythologie.

Kerberos ist der dreiköpfige Höllenhund am Eingang der Unterwelt. Seine Aufgabe ist es, die Bewohner*innen des Totenreichs daran zu hindern, dem ewigen Leiden zu entkommen. Den Passagieren des Schiffes darf das bekannt vorkommen; sie kämpfen sich in jeder Simulation aufs Neue durch den Untergang des Schiffes, das ihnen ein Entkommen fast unmöglich macht.

Prometheus hingegen ist der Gott, der den Menschen das Feuer gab. So konnten sie ihrer Unterwürfigkeit vor den Göttern entkommen. Prometheus wurde dafür bis in alle Ewigkeit bestraft. In 1899 findet Maura auf dem gleichnamigen Schiff das, was sie braucht, um aus der Simulation auszubrechen. Doch die Prometheus selbst geht in jeder Simulation aufs Neue verloren. 

Das Erwachen

Der letzte, leicht zu übersehende Hinweis ist das Buch auf Mauras Nachttisch: The Awakening von Kate Chopin. Der Roman wurde sogar im Jahr 1899 veröffentlicht. In ihm kämpft die Protagonistin mit ihrer Rolle als Frau und Mutter in ihrer Gesellschaft und will dieser Realität schlussendlich entkommen. So will auch Maura in 1899 der albtraumhaften Simulation entkommen – und landet am Ende im All.

Nach dem finalen Cliffhanger bleiben viele Fragen offen. Aber wir haben schon unsere Theorie für den nächsten Twist. Hier kommt also ganz zum Schluss unser Bonus-Hinweis darauf, dass Maura immer noch in einer Simulation steckt:

Als Daniel Maura von der Simulation erzählt, erklärt er ihr das Höhlengleichnis von Platon. Das philosophische Gleichnis besagt, dass unsere Wahrnehmung nicht gleich der Realität entspricht. Wir müssen aus den Ketten unserer Sinneseindrücke ausbrechen, um an die Wahrheit zu kommen – und das nicht nur einmal. Das Gleichnis funktioniert als Grundidee der Serie. Nach dem Finale schaut Maura nun nicht mehr nur auf falsche Schatten. Aber ist sie schon in der Wirklichkeit angekommen? 

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Netflixwoche Redaktion