Robert Downey Jr. – von ganz unten nach ganz oben

Wie gut kennt man den eigenen Vater eigentlich? Auf jeden Fall besser, wenn man einen 90-minütigen Film über ihn gemacht hat. So wie Robert Downey Jr., der seinem Papa, dem Filmemacher und Schauspieler Robert Downey Sr. mit der Dokumentation „Sr.” ein filmisches Denkmal setzt. Doch es ist viel mehr als das. Denn neben der Würdigung des Schaffens vom Senior, bearbeiten Vater und Sohn in vielen Gesprächen auch ihre Verbindung zueinander. 

Und die hat neben vielen Hochs mindestens genauso viele Tiefs. Robert Downey Jr. wächst im New York der 60er Jahre auf, als Rauschmittel wie Alkohol und Drogen zur Tagesordnung in der Kreativszene gehören. Sein Vater lässt ihn das erste Mal mit sechs Jahren an einem Joint ziehen – etwas, das er später bereut. Denn das markiert den Beginn einer tiefen und langwierigen Drogenabhängigkeit, die den jungen Schauspieler die eine oder andere Rolle kostet. Trotzdem schafft er es, sich einen Namen zu machen und zeigt eine überzeugende Performance im Biopic Chaplin (1992), in dem er den Stummfilmstar Charlie Chaplin mimt. Die Rolle bringt ihm die erste von zwei Oscar-Nominierungen ein – die zweite erhält er später als bester Nebendarsteller in Tropic Thunder.

In den 90er Jahren macht Downey Jr. jedoch vor allem mit Rehab- und Gefängnis-Aufenthalten von sich reden und niemand glaubt daran, dass er das Ruder noch einmal rumreißen kann. Mitte der 2000er Jahre kommt der Wendepunkt: Der damals 40-Jährige wird clean, findet privates Glück mit Filmproduzentin Susan Levin und kann endlich wieder mit positiven Schlagzeilen glänzen. Seine ikonischen Rollen als Iron Man und Sherlock Holmes brachten ihn an die Spitze Hollywoods und machten ihn in drei aufeinanderfolgenden Jahren zum bestbezahlten Schauspieler der Welt.  

Jetzt könnte man denken, dass es Robert Downey Jr. seinem Vater übel nimmt, ihn vom rechten Weg abgebracht zu haben, aber das ist nicht seine Art. Denn ebenso wie die Öffentlichkeit ihm seine Drogeneskapaden und Gesetzesbrüche verziehen hat, so ist er mit seinem Vater im Reinen. Eine Familienbeziehung ist nie nur schwarz und weiß, sondern ganz viel dazwischen. Die Zwei vereinen ihre schlechten Angewohnheiten, vor allem aber die Kreativität, die ihnen in den Genen steckt. 

Darum geht’s in „Sr.“

Schauspielgröße Alan Arkin (The Kominsky Method) sagt über seinen Wegbegleiter Robert Downey Sr.: „Seine Arbeit ist geprägt von gutmütigen Nihilismus. Von Freiheit. Man wusste nicht, wo die Geschichte hingeht. Und ob es überhaupt eine Geschichte gab.“ 

In „Sr.“ gibt es eine: nämlich die der besonderen Vater-Sohn-Beziehung zwischen Robert Downey Jr. und seinem alten Herrn, den er auch in seiner Schwarz-Weiß-Dokumentation liebevoll „Senior“ nennt. Dabei bewegen sich die Gespräche zwischen subtilem Sarkasmus und wirklich tiefer und emotionaler Aufarbeitung von persönlicher Vergangenheit und Generationstraumata. Und es geht natürlich viel um die große Gemeinsamkeit der Männer: die Liebe zum Film. Regie führte Chris Smith, der die Famile vor dem Tod von Robert Downey Sr. 2021 über drei Jahre hinweg begleitete.

Seniors Freund, Produzent Norman Lear formuliert seine gemeinsame Zeit mit dem Filmemacher sehr treffend: „Sie war perfekt, wunderbar und herrlich irrsinnig.“ Und das gilt auch für diese Doku.

Play embedded YouTube video

Das ist das wichtigste Robert-Downey-Jr.-Zitat aus aus „Sr.”

 „Meine Eltern stellten meine kleine Wiege in den Bereich der Wohnung, wo das Rohmaterial durchgesehen wurde. So gewöhnte ich mich daran, mit dem Klappern von Klappen einzuschlafen. Ich erinnere mich an diese Kakofonie der Kreativität. Viel Zigarettenrauch, Gras und Alkohol, aber vor allem Lachen.“ 

So in etwa könnte eine Definition aussehen, was es bedeutet, in den 60er-Jahren einen bisweilen verrückten Filmemacher wie Robert Downey Sr. als Vater zu haben. Man ist mittendrin, statt nur dabei.

Hier ist Robert Downey Jr. auf Netflix zu sehen:

  • Sherlock Holmes: Meisterhafte Verfilmung über den exzentrischen Detektiv, der Ende des 19. Jahrhunderts mit Hilfe seines Partners Dr. Watson (gespielt von Jude Law) Jagd auf Verbrecher macht.
  • Sherlock Holmes – Spiel im Schatten: Für Teil 2 schlüpft Downey Jr. 2011 erneut in die Rolle des Sherlock Holmes. Diesmal muss sich der Kommissar aller Kommissare mit einem toten Kronprinzen und seinem Erzfeind Professor Moriarty auseinandersetzen. 
  • Spider-Man: Homecoming: Robert Downey Jr. in seiner Paraderolle als Iron Man/Tony Stark, der Peter Parker alias Spider Man unter seine Fittiche nimmt, um ihn an das Leben als Superheld heranzuführen.
  • Stichtag: Stell dir vor, du wirst zum ersten Mal Vater und deine Frau ist am anderen Ende des Landes. Und deine einzige Möglichkeit, rechtzeitig da zu sein, ist ein Roadtrip mit einem chaotischen Möchtegernschauspieler. So geht’s Peter Highman (Downey Jr.) in dieser Komödie von Hangover-Produzent Todd Phillips.
  • Zodiac – Die Spur des Killers: Verfilmung einer wahren Geschichte. Eine mysteriöse Mordreihe in San Francisco versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Ein Journalist (Downey Jr.) und ein Karikaturist (Jake Gyllenhaal) machen sich eigenständig an die Ermittlungen.

Das wissen nur echte Fans:

Viele Schauspieler*innen gehen einem sportlichen Hobby nach, entweder zum Ausgleich oder – natürlich – um in Form zu bleiben. Aber Personal Training, Pilates oder Tennis kann ja jede*r. Robert Downey Jr. begann Anfang der 2000er Jahre Wing Chun zu praktizieren – eine Form von Martial Arts, die Elemente chinesischer Kampfkunst und Selbstverteidigung vereint. Der Sport tut ihm aber nicht nur körperlich gut, sondern hat ihm geholfen, seine Dämonen zu besiegen und die Drogenabhängigkeit ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Also wenn Jackie Chan mal einen Nachfolger braucht, wir wüssten da wen…

Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Netflixwoche Redaktion