Nicht nur Emily: Diese Filme und Serien auf Netflix zeigen Paris in allen Facetten.

Paris als Stadt der Liebe. Paris als Stadt der dankbaren Kulissen. Paris als Epizentrum der Modewelt. Das alles ist Drehbuch-Gold. Es gibt wohl kaum eine Ecke der französischen Hauptstadt, die filmisch nicht bereits hunderte Male ausgeleuchtet wurde. Auch die Erfolgsserie Emily in Paris, die gerade in die zweite Rund gegangen ist, hält sich mit szenischen Sightseeing-Touren nicht zurück. 

Paris aber ist viel mehr ist als nur Haute Couture, hippe Straßencafés und Baguette-Klischees. Die Stadt ist vielseitiger, bunter, manchmal aber auch grauer, als all all die romantische Komödien es suggerieren. 

Das Bild der französischen Hauptstadt ist also vor allem eine Frage der Perspektive. Mit diesen sechs Filmen und Serien lernt man Paris in all seinen Facetten kennen.

Divines (2016)

Krasser als in Divines könnte der Gegensatz zum poshen Paris einer Emily Cooper nicht sein. Der Film steht in der Tradition legendärer französischer Sozialdramen wie Hass – La Haine, nur sind es hier überwiegend junge muslimische Frauen, die um ein kleines Stückchen Zukunft kämpfen. Die Schauplätze sind Hochhaussiedlungen und die Hüttenlager der Sinti*zze und Rom*nja in den Außenbezirken von Paris. Diese Banlieues haben es als soziale Brennpunkte zu trauriger Berühmtheit gebracht. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Dounia und ihrer Freundin Maimouna, die sich immer aussichtsloser in Drogenkriminalität verwickeln lassen. Auch das ist Paris: Ein Albtraum mit poetischen Untertönen, der auf dem Filmfestival in Cannes zu Recht mit der Goldenen Kamera prämiert wurde.

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Hugo Cabret (2011)

Film ist Magie. Das klingt abgedroschen, beschreibt  im Fall des französischen Illusionisten und Filmpioniers George Méliès aber einen konkreten Arbeitsansatz. Méliès gilt als Erfinder des narrativen Films. Der wohl bekannteste Streifen in seinem opulenten Gesamtwerk ist Die Reise zum Mond – ein fast 120 Jahre alter Kino-Klassiker.  Martin Scorsese hat dem legendären Regisseur 2011 mit Hugo Cabret ein fünffach oscarprämiertes Denkmal gesetzt und darin Méliès' magischen Realismus fantastisch bebildert.

Die Bilder des Paris im Jahr 1931 stammen fast ausschließlich aus den Rechnern der Frankfurter Effektspezialist*innen Pixomondo. Sie zeigen zum Beispiel, wie der Waisenknabe Hugo unter dem Dach des legendären Bahnhof Montparnasse an alten Uhren und einem frühen Automaten herumschraubt, die ihn schließlich auf die Spur von Georges Méliès führen. Sie führen aber auch ins Kino, in dem der Junge Trost, Hoffnung und … genau, eine ganz besondere Magie findet.

Die Welt gehört dir (2018)

Bereits Scarface und Rap-Ikone Nas wussten: The world is yours. Aber auch Regisseur Romain Gavras hat sich dieses beliebten Aufstiegs-Mantras angenommen. Als Videoclip-Regisseur hat Gavras bereits polarisierende Arbeiten für u.a. Kanye West und M.I.A. abgeliefert. Auch das Aufsehen erregende „Stress“-Video für das französische Elektronik-Duo Justice stammt von ihm. Le monde est à toi, auf Deutsch eben: Die Welt gehört dir ist sein zweiter Spielfilm. Es geht erwartungsgemäß um eine Aufstiegsstory in Gangsterkreisen: Ein erfolgreicher Drogendealer aus Paris will in der spanischen Sonne einen allerletzten Job verrichten. Viel mehr noch aber geht es um die krassen Gegensätze zwischen den maghrebinischen Milieus in Paris und dem mondänen Jetset an der spanischen Küste. Der Film zeigt ein Ensemble schräger Figuren, das die Handlung in bester Guy Ritchie- oder Tarantino-Manier in ein blutig brutales Chaos abdriften lässt. Paris sehen und… sterben. Das geht auch an der Costa del Sol.

Ich habe meinen Körper verloren (2019)

Der Blick auf Paris in diesem Animationsfilms ist absolut außergewöhnlich: In Ich habe meinen Körper verloren erleben wir die Stadt aus der Sicht einer abgetrennten Hand. Richtig gelesen: eine Hand, die aus einem Labor flieht, um ihren Körper zu finden. Dieser Körper gehört dem jungen Nafouel, der nach dem Tod seiner Eltern erst als Pizzabote und dann als Schreinerlehrling jobbt und sich unsterblich in die junge Bibliothekarin Gabrielle verliebt. In diesen Momenten darf sich der Film (und Paris) von seiner poetischen Seite zeigen, während die Hand im Untergrund gegen Ratten, Tauben und Hunde um ihr Leben kämpft. Dafür gab es eine Auszeichnung in Cannes und eine Oscar-Nominierung.

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The Eddy (2020)

Seit dem Ersten Weltkrieg gehören schummrige Jazzclubs zum Pariser Stadtbild.  Damien Chazelle findet in dieser Szene die Schauplätze für seine Mini-Serie The Eddy. Die Arbeiten des Regisseurs haben oft starken Musikbezug: Sein gefeierter Film Whiplash spielte bereits in der Jazz-Szene, und für sein Filmmusical La La Land erhielt er einen Oscar. In The Eddy erzählt er die Geschichte des amerikanischen Pianisten Elliott Udo, der nach seiner Karriere in New York in Paris landet und dort den Club The Eddy übernimmt. Als sein Geschäftspartner ermordet wird, beginnt nicht nur für ihn ein Kampf um das Leben und seine Leidenschaft, die Musik. Die Serie zeigt ein multikulturelles Paris der Gegensätze, in dem neben Stars wie Tahar Rahim und Melissa George echte Jazz-Musiker*innen wie Randy Kerber und Jowee Omicil für Glaubwürdigkeit sorgen.

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8 Rue de l’Humanité (2021)

Und auch das ist Paris: eine Großstadt wie jede andere in Europa und rund um die Welt – zumindest während der Corona-Pandemie, in dem sich das Leben überwiegend in den heimischen vier Wänden abspielt. Gendarmen kontrollieren die Einhaltung der Pandemie-Regeln, abends gibt es von den Balkonen Applaus für Pflegekräfte, die Stimmung bewegt sich zwischen Sorge und Solidarität. 8 Rue de l’Humanité befindet sich irgendwo im 11. Arrondissement. Es ist eine Adresse wie jede andere auch, nichts Besonderes. Über drei Monate folgt Sch‘tis-Regisseur Dany Boon dieser Mietshaus-Zwangsgemeinschaft, stellvertretend für die Sehnsüchte und Nöte der gesamten Pariser Gesellschaft. Denn Paris ist in diesem Fall überall.

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Netflixwoche Redaktion