Warum sind Maisfelder so gruselig?

Im spärlichen Licht des Mondes wirkt das hochgewachsene Maisfeld, das sich langsam im Wind wiegt, wie ein schlafendes Ungeheuer. Das Gefühl, dass etwas zwischen den Pflanzen auf der Lauer liegt, lässt sich nicht abschütteln. Plötzlich geht ein Rascheln um… 

Ob in Texas Chainsaw Massacre, 1922 oder in der neuen Mystery-Serie The Devil in Ohio: Hoch bewachsene Felder, meistens Mais, tauchen gefühlt in jedem zweiten Horror-Titel auf. Aber was macht dieses Motiv eigentlich so populär?

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Die Anfänge der Horror-Feld-Filmkarriere 

Einen seiner frühen Kino-Auftritte verdankt das Maisfeld niemand geringerem als dem Großmeister des Genres: Stephen King. Im Klassiker aus dem Jahr 1984, Kinder des Zorns, spielt Mais eine echte Hauptrolle, was im englischen Originaltitel auch schnell ersichtlich wird. Dort heißt der Film nämlich Children of the Corn. Auf englisch mag das gruselig klingen. Auf Deutsch klingt „Kinder des Maises” aber mehr nach einem fröhlichen Erntedankfest-Auftritt des örtlichen Kindergartens, als nach einem blutrünstigen Kult. 

Die vielen Rollen des Feldes

Manchmal dient das Maisfeld als Kulisse und unterstreicht durch seine Weite ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Isolation. In 1922 etwa liegt zwischen Arlette und der von ihr herbeigesehnte Zivilisation ein riesiges Maisfeld. Es hält die Farmerin symbolisch im mühseligen Leben auf der Farm ihres Mannes gefangen. 

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Meistens sind Maisfelder aber Orte des Geschehens. Nachts verwandeln sie sich in finstere Labyrinthe, in die sich die Protagonist*innen fliehen, um ein Versteck zu suchen und dabei meistens den sicheren Tod finden. Denn eines haben fast alle Maisfelder im Film gemeinsam: Sie bieten immer nur den Bösewichten Deckung. 

So rennt auch Mae auf der Flucht vor einem satanischen Kult in der ersten Szene der Mystery-Serie The Devil in Ohio durch ein Maisfeld, in dem nie klar zu sein scheint, aus welcher Richtung die Bedrohung eigentlich kommt. Denn Maisfelder sind nicht nur ein hervorragendes Versteck für Kultisten oder Kettensägen-schwingende Wahnsinnige, sondern rauben den armen Seelen, die sich in ihnen verirren, auch jegliche Orientierung. Verständlich, aufgereihte Maispflanzen sehen ja auch irgendwie alle gleich aus. 

Emily Deschanels Blick spricht Bände: Wer plötzlich von zu vielen Maiskolben umzingelt ist weiß, dass Gefahr droht!

Ganz selten nimmt das Feld auch eine aktivere Rolle ein: die des Bösewichts. In Kinder des Zorns werden aus harmlosen Maisstauden am Ende des Films plötzlich Schlingpflanzen mit fiesen Absichten. Stephen Kings Im hohen Gras geht noch einen Schritt weiter: Dort scheinen inmitten der Pflanzen die Gesetze von Raum und Zeit nicht mehr zu existieren. 

Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Horrorfilm, in dem die Maisstaude endlich mal zum Protagonisten wird. Einen Titel hätten wir schon mal: Die Maiskolben schlagen zurück. 

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Netflixwoche Redaktion