Zwischen Mike Tyson und kindlicher Unschuld: Julia Garner gibt Antiheldinnen Tiefe

Das ist Julia Garner

1997. Ein Boxkampf, der in die Geschichte eingehen wird. Im Ring: Mike Tyson gegen Holyfield Tyson. Vierzig Sekunden vor Ende der dritten Runde. Tyson streckt seinen Kopf über Hoyfields Schulter – und beißt in sein Ohr. Mit seinen Zähnen reißt Tyson ein Stück des Knorpels ab.

Kurz vor diesem heute berüchtigten Moment ist ein Foto von Mike Tyson entstanden: Jeder seiner Muskeln ist angespannt, sein Gesicht ist zu einer Fratze der Wut verzerrt. Dieses Foto, die blanke Wut darauf, inspirierte für Julia Garner für ihre Rolle als Ruth Langmore in Ozark.

Wer Julia Garner sieht, denkt sicher nicht sofort an Mike Tyson. Sie ist zierlich, blond, blass. Nicht der Typ Frau, bei der man Angst hätte, sie beißt ihren Feinden das Ohr ab. Doch wenn sie Frauen wie die Kriminelle Ruth in Ozark oder die Hochstaplerin Anna in Inventing Anna spielt, dann brodelt unter der Oberfläche etwas Dunkles.

Julia Garner begann ihre Karriere mit vielfältigen Rollen in Indiefilmen: Als schwangere Mormonin (Electrick Children, 2012), als Kannibalin (We Are What We Are, 2013) oder als idealistische Streunerin (Tomato Red, 2017).

Ihre besten Rollen aber sind Antiheldinnen. Julia Garner schafft es, ihren Figuren eine Komplexität und Tiefe zu verleihen, die zutiefst menschlich ist: Ihre Figuren sind gefangen zwischen kindlicher Unschuld und Skrupellosigkeit, Egoismus und Hoffnung, Härte und Trauma. Für diese schauspielerische Meisterleistung wurde sie nun zum dritten Mal mit einem Emmy ausgezeichnet.

Darum geht’s in Ozark

Als sein Geldwäsche-Geschäft für ein Drogenkartell seine Familie in Lebensgefahr bringt, zieht der Finanzberater Marty Byrde (Jason Bateman) mit Frau (Laura Linney) und Kindern nach Ozark. Dort lernen sie Ruth Langmore (Julia Garner) kennen – eine 19-jährige Kleinkriminelle, die sich im Laufe der vier Staffeln von Martys Schützling zur scharfsinnigen Geschäftsfrau entwickelt. Denn der Umzug ist für die Familie Byrde nicht das Ende, sondern erst der Anfang ihrer kriminellen Verstrickungen.

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Das ist das wichtigste Julia-Garner-Zitat aus Ozark

„Vor ein paar Monaten dachtest du, Liquidität ist, was passiert, wenn dein Bier umfällt.“

Ruths schlagfertigen Beleidigungen sind legendär. Diesen Spruch sagt sie in Staffel vier zu ihrem Cousin Wyatt Langmore, als er ihre Strategie anzweifelt. Denn Ruth weiß inzwischen, wie das Geschäft läuft.

Hier ist Julia Garner noch auf Netflix zu sehen

  • Inventing Anna: Julia Garner in ihrer nach Ozark bekanntesten Hauptrolle. Die wahre Geschichte einer Hochstaplerin, die sich als reiche Erbin ausgibt und unter dem Namen Anna Delvey die New Yorker High Society, Banken, Hotels und reiche Bekannte einwickelt und um insgamt 275.000 US-Dollar betrügt.
  • Maniac: Eine Miniserie über zwei Fremde (Emma Stone und Jonah Hill), die mit einem Versprechen in eine mysteriösen  Studie gelockt werden: Neue Pillen sollen all ihre Probleme lösen, egal ob Liebeskummer, Schizophrenie oder Ziellosigkeit. Ganz ohne Nebenwirkungen, versteht sich.
  • Dirty John: Diese achtteilige, provokante Thriller-Anthologie folgt den wahren Ereignissen einer gefährlichen Online-Dating-Beziehung, die weltweit für Schlagzeilen sorgte. Julia Garner spielt die Tochter einer Frau, die sich in einen Soziopathen verliebt.
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Das wissen nur echte Fans

Julia Garner war zehn, als sie lesen und schreiben lernte. Sie, ein sehr unsicheres Kind, hasste die Schule. Das Lesen fällt ihr bis heute schwer, doch sie erkämpfte sich die Buchstaben und machte später einen Abschluss in Psychologie.

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Netflixwoche Redaktion