„Ich bin wie verknallt“ – Caro Cult und Nina Gummich im Gespräch

Manchmal scheint es, als seien Freundschaften und Partnerschaften natürliche Fressfeinde. Die beste Freundin hat einen neuen Partner, und plötzlich ist man nur noch der zweitliebste Mensch in ihrem Leben. So auch im neuen deutschen Drama Für Jojo, das seit dem 11. Juli auf Netflix zu sehen ist.

Darin geht es um die beiden Freundinnen Paula und Jojo. Deren Beziehung ist so innig, dass sich zumindest Paula das Leben ohne ihre Freundin nicht mehr vorstellen kann. Doch dann möchte Jojo einen Mann heiraten, den Paula kaum kennt. Paula setzt alles daran, die Hochzeit  zu verhindern.

Die beiden Schauspielerinnen Caro Cult und Nina Gummich, die im Film Paula und Jojo verkörpern, im Interview über die Frage, wo Freundschaft aufhört und wo Liebe anfängt.

Caro Cult und Nina Gummich als Paula und Jojo im Netflix-Drama "Für Jojo".
Caro Cult und Nina Gummich als Paula und Jojo.

Netflixwoche: Vor allem Paula, aber auch Jojo sind zwei extreme Persönlichkeiten. Wie habt ihr euch den beiden angenähert?  

Caro: Am Anfang war ich ein bisschen im Konflikt mit Paula, weil sie so krass ist. Sie sagt, was andere nur denken würden. Was aber auch etwas Befreiendes hat. Wir haben dann eine Aufstellung gemacht, eine Methode aus der Psychologie, die der Analyse von Beziehungen dient. Das war Mind-Blowing!

Nina: Da kam raus, dass Paulas wichtigster Wert die Wahrheit ist. Während der von Jojo die Harmonie ist. In der Beziehung der beiden entsteht dadurch ein fundamentaler Konflikt: Jojo möchte, dass alles schön ist, und Paula, dass alles wahrhaftig ist.

Caro: Deshalb macht Paula Sachen, die gar nicht gehen und wird trotzdem nicht zum Buhmann der Geschichte. Weil man spürt, dass der Konflikt tiefer geht. Ich habe dann einfach verstanden: Es ist schmerzhaft, wenn am Ende einer jahrelangen Freundschaft kein richtiger Schlussstrich kommt.

Konntet ihr für den Film aus eigenen Erfahrungen mit Freundschaften schöpfen?

Nina: Meine beste Freundin kenne ich schon, seit ich geboren wurde. Es ist eine Herausforderung, sich in einer so engen Freundschaft auch frei voneinander zu machen. Zu trennen: Das bist du und das bin ich. Ich bin stolz, dass meine beste Freundin und ich das geschafft haben.

Caro: Ich habe auch eine Freundin, die ich kenne, seit ich zwei war. Wir haben nebeneinander gewohnt, sind miteinander aufgewachsen und sie ist immer noch eine sehr enge Freundin. Wir sind damals zusammen nach Berlin gezogen. Dann, so mit 20, hat sie herausgefunden, dass Berlin nicht wirklich ihre Stadt ist. Ich hatte mich aber schon Hals über Kopf in Berlin verliebt.

Was hilft dir in solchen Momenten?

Caro: Ich brauche Ehrlichkeit, genau wie Paula. Mein Freund sagt immer: Du bist der komplette Authentizitäts-Junkie. Man kann mit mir keine Diskussionen führen, ohne dass ich pule, bis es auf den Grund geht. Ich glaube, Probleme lassen sich erst dann wirklich lösen. Natürlich ohne die Grenzen des Gegenübers zu überschreiten. Es darf nicht toxisch werden.

Nina: Das haben wir beide uns auch zu Herzen genommen, diese Ehrlichkeit. Wir haben uns schon oft gegenseitig gesagt: „Komm, halt mal die Schnauze!“. Wir haben beim Drehen die eigentlich Klischee-männlich konnotierte Eigenschaft entwickelt, völlig offen alles aussprechen zu können.

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Braucht eine Freundschaft genauso viel Arbeit wie eine Liebesbeziehung?

Nina: Beziehung ist Beziehung. Aber gerade Freundschaften können sich nach einer Weile wahnsinnig sicher anfühlen. Ich übe in Freundschaften, wie ich in einer Beziehung sein will, weil es so sicher ist. In Freundschaften kann ich mir beibringen, ich selbst zu bleiben, die Wahrheit auszusprechen, aus der Komfortzone rauszugehen, der Harmonie nicht das eigene Wohlbefinden zu opfern.

Caro: Interessant. Ja, so habe ich das noch nie gesehen. Ich habe viel aus meiner vorherigen Beziehung zu einem Mann gelernt. Die war ziemlich krass.

Warum?

Caro: In dieser Beziehung habe ich einfach viel von mir aufgegeben und mich manipulieren lassen. Weil ich noch nicht so einen hohen Selbstwert hatte wie heute. So würde mir das nie wieder passieren. In Freundschaften steht für mich nicht so viel auf dem Spiel. Da bin ich nicht auf der Suche nach der einen Person fürs Leben.

Nina: Genau. Wenn ein Kumpel schlecht gelaunt ist, denke ich mir: „Tut mir leid, dass es ihm so schlecht geht.“ Ich frage direkt nach, oder er erzählt mir gleich von selbst, was los ist. Wenn mein Partner schlecht gelaunt ist, denke ich: „Freut er sich nicht auf mich?“

Caro: Wann fängt eigentlich Liebe an und wo hört Freundschaft auf? Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich zu 100 Prozent heterosexuell bin. Aber jetzt glaube ich, dass Anziehung viel mit Zulassen zu tun hat. Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich total auf Charaktere stehe. Bei vielen Beziehungen könnte man sich fragen: Ist es gerade so intensiv, weil die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft verschwimmen? Auch bei Paula und Jojo. Die beiden sind ja diese einzige Person füreinander. Sie nehmen füreinander diese Rolle ein, die viele romantischen Beziehungen vorbehalten.

Nina: Wir beide waren auch total verliebt am Anfang! Wenn mich Leute gefragt haben, wie es läuft, habe ich immer gesagt: „Ich bin wie verknallt.“

Welche Szene war für euch am schwierigsten?

Caro: Das ist eine witzige Frage. Die ist nämlich nicht im Film. Man muss wissen: Ich bin eine totale Frostbeule. Mein absoluter Endgegner sind nicht Beziehungen, sondern Kälte. Und dann hieß es: „Ihr müsst in die Nordsee.“ Es war April.

Autsch.

Caro: Die Nordsee war im besten Fall fünf Grad warm. Ich dachte mir: „Scheiße, das ist mein Untergang.“ Ich hatte Kaltwasser-Training. Am ersten Drehtag habe ich wie pünktlich bestellt eine Blasenentzündung bekommen. Die hat sich über zwei Wochen gezogen. Dann wurde daraus eine Nierenentzündung. Und dann stand natürlich die Szene noch an. Ich finde, ich habe das dann sehr tapfer gemacht, wofür ich auch viel Lob bekommen habe.

Und ausgerechnet die Szene wurde rausgeschnitten?

Caro: Ja! Man kann meine Tortur also leider nicht sehen.

Was war für dich am schwierigsten, Nina?

Nina: Am spannendsten fand ich, dass Barbara als Regisseurin eine Spezialität hat: Man soll improvisieren. Halbsätze sagen, nicht ausformulieren, nicht konkret werden. Aber emotional transportieren, was das Gespräch aussagen soll. Damit haben wir einen Film gefüllt, dessen Dialoge sich natürlich anfühlen.

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Netflixwoche Redaktion