Der junge Edgar Allan Poe war ein schräger Typ

Edgar Allan Poe muss ein finsterer Kerl gewesen sein. Bekannt ist er immerhin bis heute vor allem für seine Schauergeschichten und gruseligen Gedichte. Sein Tod unter mysteriösen Umständen in der Gosse von Baltimore hat seinen Ruf auch nicht gerade aufpoliert. 

Umso überraschender, dass der neue Mystery-Thriller Der denkwürdige Fall des Mr Poe ihn nicht als unheimliches Genie darstellt. Im Film unterstützt der junge Kadett Edgar Allan Poe (Harry Melling, bekannt aus Harry Potter) den Ermittler Augustus Landor (Christian Bale) dabei, einen grausamen Mordfall an einem jungen Soldaten der Militärakademie West Point aufzuklären.

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Hier lernen wir Edgar als warmherzigen jungen Mann mit leicht morbider Faszination kennen. Als einen empathischen, intelligenten Menschen, der weder in die eisige Atmosphäre der West Point Military Academy, noch in deren strenge Uniform zu passen scheint. Doch wie war der junge Edgar Allan Poe wirklich? 

Seine militärische Karriere lief rund – bis Poe sie selbst sabotierte

Tatsächlich versuchte es Edgar mit einer Militärkarriere. Vermutlich aus zwei Gründen, spekulieren Biographen heute: Es erschien ihm wohl als ein poetisches Schicksal, in die Fußstapfen seines Idols Lord Byron zu treten, der im Griechischen Unabhängigkeitskrieg starb. Seine zweite Motivation war sehr viel geerdeter: Edgar brauchte das Geld. Die US Army verließ er nach zwei Jahren ehrenhaft. 

Um Offizier zu werden, musste er anschließend die Militärakademie besuchen. Sein neues Zuhause wurde West Point, wo er 1830 Aufnahme fand. Zu behaupten, er hätte dort Schwierigkeiten gehabt, wäre eine maßlose Untertreibung. Vielleicht am überraschendsten ist aber die Tatsache, dass er sich all seine Probleme ganz gezielt selbst erschuf. 

Der Grund: Ein Konflikt mit seiner Familie. 

Edgar wurde im Alter von nur zwei Jahren zum Waisenkind. Die Familie des betuchten Kaufmanns Frances Allen nahm den kleinen Edgar auf. Er wurde zwar nie adoptiert, wuchs aber als Mündel der Allans auf. Seine Beziehung zum Ziehvater war schwierig. Immer wieder überwarfen sich die beiden. Meistens ging es um Geld. 

Vielleicht hat Edgar Allan Poe (gespielt von Harry Melling) die Inspiration für seine Gruselgeschichten ja beim einsamen Spazierganz im Wald gefunden.

Während Edgar in West Point studierte, heiratete Frances Allan seine zweite Frau. Sie konnte Edgar nicht ausstehen und stieß beim Ziehsohn auf ebensowenig Gegenliebe. Allan brach den Kontakt mit Edgar schließlich ab. Und der tat, was ein beleidigter Teenager im 19. Jahrhundert tut: Edgar setzte alles daran, den Ziehvater zu blamieren. Indem er den Rauswurf in Westpoint provozierte. 

In knapp einem halben Jahr häufte Egdar über 100 notierte Vergehen an. Die Liste seiner Fehltritte startete gerüchteweise bei Dauer-Trunkenheit und endete damit, dass er nackt zur Formation erschien. In einen Mord war er – anders als im Film Der denkwürdige Fall des Mr Poe – wohl nicht verwickelt. Denn auch wenn Edgar Allan Poe heute als einer der prägenden Einflüsse auf das Kriminalgenres gilt, ist der mysteriöseste Todesfall in seinem Leben sein eigener. Die Krimigeschichte im Film ist frei erfunden.

Schließlich erreichte Edgar Allan Poe sein Ziel: Er wurde wegen „grober Vernachlässigung der Pflicht“ und „Befehlsverweigerung“ vor ein Kriegsgericht gestellt und von der Schule verwiesen. Seine Verstöße hatte er seinem Ziehvater vorab in einem Brief angekündigt. Seinen dritten Gedichtband Poems erschien kurze Zeit später. Er widmete ihn seiner Zeit als Kadett. 

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Netflixwoche Redaktion