Broadway fürs Wohnzimmer: Das sind die besten Musicals auf Netflix

Musicals auf der Leinwand haben eine lange Geschichte. Sie reicht zurück bis an die Anfängen des Tonfilms. Seitdem waren verfilmte Musicals immer wieder kommerzielle Erfolge und Oscar-Material – man denke nur an Chicago oder La La Land. Dieser Tage steht das Genre wieder hoch im Kurs. Steven Spielbergs West Side Story-Remake ist ein Beispiel, tick, tick... BOOM! mit Andrew Garfield ein anderes. Zum aktuellen Boom: eine Reise durch die Geschichte des Genres mit einigen der wichtigsten Musicals auf Netflix.

Funny Girl (1968)

Bereits 1964 verkörperte Barbra Streisand die Rolle des Funny Girl im gleichnamigen Broadway-Musical. Vier Jahre später bekam sie für den gleichen Part den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Der Ben Hur-Regisseur William Wyler hatte die Geschichte einer jüdischen Komödiantin auf Zelluloid gebannt und Streisand damit an der Seite von Omar Sharif endgültig zum Star gemacht. Insgesamt achtmal war das recht traditionell funktionierende Filmmusical für den Oscar nominiert. 2006 wurde es vom American Film Institute (AFI) in die Reihe der wichtigsten Musicals aller Zeiten aufgenommen.  

Bester Song: „People“. Ebenfalls vom AFI wurde das Stück unter die bedeutendsten Songs im amerikanischen Film auf Platz 13 gewählt.

Grease (1978)

Auch Grease geht auf eine Broadway-Vorlage zurück. 1971 warf der Film einen fast schon parodistischen Blick auf junge Liebe, Rock ’n’ Roll und Gangrivalitäten und wurde im Kino zum Sensationserfolg. Vor allem  Hauptdarsteller John Travolta brachte es mit gegeltem Haar und geölter Stimme zu Weltruhm. An seiner Seite: Country-Sängerin Olivia Newton-John. Bei den Academy Awards reichte es allerdings nur für eine Nominierung – ausgerechnet für „Hopelessly Devoted To You“, einen Song, der heute nicht mehr unbedingt mit Grease verbunden wird. 

Bester Song: Natürlich das weltweit auf Nummer eins chartende Duett „You’re The One That I Want“.

Mamma Mia! (2008)

Schon mal den Begriff „Jukebox-Musicals“ gehört? Damit meinen Genre-Kenner*innen Musicals ohne Originalsongs oder -partituren, also Stücke, in denen fremdes Songmaterial verarbeit wird. Hier sind es die Songs von Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die als zwei Viertel von ABBA Popgeschichte geschrieben und 1999 mit Mamma Mia! das Popmusical mit-erfunden haben. Neun Jahre später folgte die mit Meryl Streep, Amanda Seyfried, Pierce Brosnan und Colin Firth hochkarätig besetzte Verfilmung, die ebenfalls ein Welterfolg wurde. Getragen von den Evergreens der Schweden erzählt der Film die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung. Eine Art Best-Of-ABBA-Karaoke, aufgeführt von einem Weltstarensemble.

Bester Song: Schwierig, bei der Riesenauswahl an Hits. Konsensentscheidung wäre wohl der ESC-Sieger von 1974, „Waterloo“.

Play embedded YouTube video

Glee (2009)

Nach Pop kommt postmodern. Zumindest wenn es nach der Serien-Koryphäe Ryan Murphy (u. a. American Horror Story, The Politician, Hollywood) geht, der mit Glee einen seiner größten Erfolge als „postmodernes Musical“ konzipiert hat. Ein Musical ist die Serie dabei eher im weiteren Sinne. Hier wird nicht in jeder Situation gesungen, sondern nur im Schulchor. Musik aber spielt eine riesige Rolle; viele der hier präsentierten Neuarrangements von Klassikern und aktuellen Hits wurden ihrerseits zu Charterfolgen. Außerdem hatten zahlreiche Musiker*innen wie Ricky Martin, Gloria Estefan, Britney Spears, Demi Lovato oder Billie Eilishs Bruder Finneas im Verlauf der sechs Staffeln Aufsehen erregende Gastauftritte.

Bester Song: „Don’t Stop Believin’”, gleich zum Auftakt der Serie.

Crazy Ex-Girlfriend (2015)

In Deutschland hat es dieses Dramedy-Format nie über den Status eines Geheimtipps hinaus geschafft. Schade, denn hier werden kontroverse Themen mit viel Empathie verarbeitet. Die zwei, drei Songs pro Folge werden meist in den Traumsequenzen der Hauptfigur Rebecca gesungen, die es auf der Suche nach ihrer Jugendliebe aus New York nach Kalifornien zieht. Darüber hinaus punktet Crazy Ex-Girlfriend mit gut geschriebenen Figuren, noch besseren Dialogen und einem selbstironischen Grundton, der selbst Musical-Skeptiker*innen überzeugen dürfte.

Bester Song: „The Sexy Getting Ready Song“, der bereits in der allerersten Episode ein Gefühl davon vermittelt, wohin die Reise geht.

Julie and the Phantoms (2020)

Showrunner Kenny Ortega konnte sich bei dem Netflix-Original Julie and the Phantoms auf eine Vorlage aus Brasilien stützen. Hier wie dort muss die junge Julie mit dem Tod ihrer Mutter klarkommen und findet Trost in den Räumen ihres Musikstudios. Tatsächlich hausen dort die Geister dreier Musiker, deren Boyband-Erfolg 1995 ein tragisches Ende fand. Mit ihnen zusammen gründet das Mädchen die Band Julie and the Phantoms, die es als vermeintliche Hologramm-Truppe mit ihren durchschimmernden Körpern tatsächlich auch auf der Bühne zu Erfolg bringt. Den Feelgood-Charakter untermauert die Serie mit Originalsongs in jeder Folge.

Bester Song: „I Got The Music“, weil Rap und Gesang hier eine besonders mitreißende Mischung ergeben.

Play embedded YouTube video

The Prom (2020)

In The Prom lässt Glee-Schöpfer Ryan Murphy Mamma Mia-Star Meryl Streep in einer Art Meta-Musical auftreten, das sich über die Eitelkeiten der Musical-Szene lustig macht. Also das perfekte Musical für Menschen, die Musicals lustvoll hassen. Das Stück hatte 2016 auf dem Broadway Premiere. Der perfekte Film folgte 2020. Hier dürfen wir einer Wahnsinnsbesetzung um Streep, James Corden, Nicole Kidman und Keegan-Michael Key dabei zusehen, wie sie ihr drohendes Karriere-Ende noch einmal abzuwenden versuchen. Toll choreographierte Musicalnummern, eine starke Ausstattung und die bewusst queeren Einflüsse machen The Prom zu einem der stärksten Netflix-Originale des  Jahres 2020.

Bester Song: „Love Thy Neighbor”, wegen der Ohrwurmqualitäten und der wirklich irren Choreographie.

Play embedded YouTube video

tick, tick… BOOM! (2021)

Noch ein Meta-Musical, diesmal mit deutlich dramatischer Stoßrichtung. Für tick, tick… BOOM! hat sich Hamilton-Autor Lin-Manuel Miranda das semi-biografische Musical von Jonathan Larson vorgeknöpft, der hier von seinen Selbstzweifeln am Broadway erzählt. Angesiedelt im New York der frühen Neunziger, konzentriert sich der Film auf die Hauptfigur Jon, in deren Verkörperung Andrew Garfield eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert.

Bester Song: „Boho Days“, der unterstreicht, was für ein fantastischer Sänger Andrew Garfield sein kann.

Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Play embedded YouTube video
Netflixwoche Redaktion

Ähnliche Artikel

Keine Artikel gefunden.